Kalenderblatt — Juli 2015

Kalenderblatt_Juli_2015

San Ste­fa­no


San­to Ste­fa­no, seit 1166 beur­kun­det, war lan­ge Pfarr­kir­che, so auch Gebets­ort von Franziskus.
Heu­te ist die­se klei­ne Kir­che, mit­ten in Assi­si und doch fern­ab von jedem Tru­bel, eine Oase der Ruhe inmit­ten der Stadt.

San­to Ste­fa­no lädt zum Gebet und zur Medi­ta­ti­on ein. Mein Weg auf den Spu­ren des Hei­li­gen Fran­zis­kus begann vor lan­ger Zeit hier. Von hier aus durf­te ich „sei­nen“ Fuß­spu­ren fol­gen. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass nach Mög­lich­keit der ers­te Weg nach San­to Ste­fa­no geht und ich auch hier Abschied neh­me, ist der Ort mir so sehr ans Herz gewachsen.

Als Fran­zis­kus in San­ta Maria degli Ange­li gestor­ben war, sagt man, haben die Glo­cken von San­to Ste­fa­no geläu­tet, von ganz allein haben sie den Tran­si­tus, den Hin­über­gang des „Vaters Fran­zis­kus“ ins neue Leben verkündet.

So kann man an die­sem Ort immer wie­der die­sen Moment spü­ren, der tota­len Stil­le vor dem gro­ßen Moment.

Ich durf­te das erle­ben. Eines Tages soll­te ich für die Gemein­de in Deutsch­land mei­ne ers­te Oster­pre­digt vor­be­rei­ten. Ach ja, kein Pro­blem, in Assi­si müss­te das gut gelingen.

Die Wochen in Assi­si ver­gin­gen und am letz­ten Tag hat­te ich immer noch kei­ne Predigt.
Ein wenig trau­rig bin ich nach San­to Ste­fa­no gegan­gen, mich zu ver­ab­schie­den. Für einen Moment war ich allein, blick­te über die Kir­che hin­un­ter ins Tal, am Turm vor­bei und es war still, als wür­de die Zeit ste­hen blei­ben, so still, dass ich die Augen schloss und hören konn­te, wie die ers­te Knos­pe am Baum auf­ge­sprun­gen ist …

Neu­es Leben war zu sehen, am Baum, am Baum des Lebens. Was schon in ihm war brach nun her­aus, das Leben leb­te neu auf … neu­es Leben, uns geschenkt durch Jesus, Jesus am Kreuz … so gin­gen dann mei­ne Gedan­ken zu Ostern.

Lau­da­te et bene­di­ce­te mi‘ signore,
et ren­gra­tia­te et ser­vi­ate­li cum gran­de humilitate.

Lobt und preist mei­nen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit gro­ßer Demut.

Bru­der Wolfgang


Inmit­ten von ticken­den Uhren, die um die Wet­te lau­fen, hal­te ich mich im Gebet an und fin­de stau­nend die Zeit, die ich ver­lo­ren habe.“

Wolf­gang Abendschön