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Kalenderblatt — November 2015

Kalenderblatt_November_2015

Novem­ber

Eines Abend, nach einem erfüll­ten Tag in Assi­si und einer inten­si­ven „Begeg­nung“ mit Kla­ra und Fran­zis­kus vor dem Kreuz in San­ta Chia­ra, beim Hin­aus­ge­hen auf die Piaz­za wur­de mein Blick gefes­selt von die­sem Abend­him­mel, wie wir ihn in die­sem Monat auf dem Kalen­der­blatt sehen können.

In der Medi­ta­ti­on ging mir vie­les durch den Kopf, auch und beson­ders die „Sor­ge“ um mei­ne Geschwis­ter, um unse­re Gemeinschaft.

Neue Wege, im Geist des Evan­ge­li­ums, mit den Geschwis­tern, beson­ders auch mit „Chia­ra und Fran­ces­co“ gehen zu kön­nen, ist eine wun­der­ba­re Gna­de, wie sie der Him­mel über S. Maria Mag­gio­re nach Wes­ten in eine gelieb­te Wei­te im mil­den Licht der Abend­son­ne führt.

Das lässt mich gera­de den­ken an eine Geschich­te der Beiden …

Rosen im Winter
Eine moder­ne Legen­de zu Franz und Kla­ra von Assisi

In der Früh­zeit ihrer Gemein­schaf­ten wan­der­ten Fran­zis­kus und Kla­ra eines Tages vom Städt­chen Spel­lo durch Oli­ven­hai­ne und Eichen­wäl­der zurück nach Assi­si. Dabei waren sie nicht wenig beun­ru­higt. Ein Haus hat­te ihnen die Türe geöff­net und auf ihre Bit­te hin etwas Brot und Was­ser gege­ben. Dabei hat­ten die Bei­den aber böse Bli­cke auf sich gezogen,
und sie muss­ten pein­li­ches Geflüs­ter mit ver­steck­ten Wit­zen und phan­ta­sie­rei­chen Anspie­lun­gen hinnehmen.

Schwei­gend tra­ten sie nun hin­aus vor die unter­ge­hen­de Son­ne. Es war die kal­te Jah­res­zeit, und das Land lag rings­um mit Schnee bedeckt.

Als es am Hori­zont dun­kel­te, unter­brach Fran­zis­kus das trau­ri­ge Schwei­gen: „Schwes­ter, hast Du ver­stan­den, was die Leu­te über uns gesagt haben?“ Damals ver­folg­te die römi­sche Kir­che näm­lich mit aller Här­te Lai­en, Frau­en und Män­ner, die das Evan­ge­li­um wie die Apos­tel leb­ten und gemein­sam umher zogen.

Kla­ra gab kei­ne Antwort.

ROSEIhr Herz war wie zuge­schnürt, und sie spür­te, dass ihr Trä­nen näher waren als Wor­te. „Es ist Zeit, uns zu tren­nen“, sag­te schließ­lich der hl. Franz. „Du wirst noch vor Ein­bre­chen der Nacht in San Dami­a­no sein. Ich wer­de allein gehen und Dir fol­gen, wie Gott mich führt.“

Da brach Kla­ra in Trä­nen aus, blieb auf dem Weg ste­hen, fass­te sich dann aber und ging gesenk­ten Haup­tes wei­ter. In einem Wald stand sie still und war­te­te auf den Bru­der: „Wann wer­den wir uns wie­der­se­hen?“ „Im Som­mer, dann, wenn die Rosen blü­hen“, erwi­der­te der Pover­el­lo. Da geschah etwas Wun­der­ba­res: Rings­um blüh­ten Rosen auf den reif­be­deck­ten Hecken. Nach dem ers­ten Stau­nen eil­te Kla­ra, pflück­te einen Strauß Rosen und leg­te ihn Franz in die Hände.

Arnal­do Forti­ni, nach einer umbri­schen Volkserzählung
Mit einem Bild von René Vil­li­ger: „Rosen im Winter!“

Wie­der ein­mal wur­de / wird mir bewusst: Stau­nend und still ver­har­rend vor dem Por­tal von S. Chia­ra darf ich erle­ben wie mein Blick, der Blick mei­nes Her­zens durch das mil­de Abend­licht in die Wei­te geführt wird. Der Abend­ge­sang der Vögel kommt dazu, ich schlie­ße die Augen und
darf schwei­gend – hören, Wor­te aus 2 Sam 22,3:

Du Gott, bist mei­ne siche­re Zukunft, mein Beschüt­zer, mein star­ker Hel­fer, mei­ne Fes­tung auf stei­ler Höhe! Zu Dir kann ich flie­hen, Du schützt mich vor aller Gewalt!“

Bru­der Wolf­gang Novak, CFPB

Kalenderblatt — Oktober 2015

Kalenderblatt_Oktober_2015

Vater unser

Gott, Schöp­fer der Welt und aller Dinge,
Lieb­ha­ber des Lebens und Freund der Menschen,
dein Atem belebt und beseelt alles, was ist.

Dein Name wer­de gehei­ligt durch alles, was lebt.
Dein Reich ver­wirk­li­che sich in allem, was geschieht.
Dein Wil­le wer­de spür­bar in unse­rem Handeln.

Täg­li­ches Brot schen­ke allen Men­schen von unse­rer Mut­ter Erde.
Ver­gib uns unse­re Schuld, dei­ne Schöp­fung aus­zu­beu­ten, in dem Maße,
in dem wir bereit sind, umzu­keh­ren und unse­ren Lebens­stil zu verändern.
Und füh­re uns in der Ver­su­chung, uns selbst als Schöp­fer aufzuspielen,
son­dern lass uns unse­re Geschöpf­lich­keit annehmen.

Denn dein ist die Zukunft, alle Ener­gie und Vollkommenheit,
heu­te, und bis sich unser Leben voll­endet in dir.

Br. Ste­fan Feder­busch, OFM


Okto­ber

In Assi­si ist es immer wie­der sehr leben­dig, umtrie­big. Vie­le Men­schen suchen IHN, den Herrn durch unse­ren Vater Fran­zis­kus, an den wir am 3./4. Okto­ber beson­ders denken.
Ich lade Sie/Euch heu­te ein, mit mir aus der Stadt zu gehen, run­ter nach San Damiano.
Kaum aus der Stadt, auf dem Weg hin­un­ter wird es still.
Bruder Wolfgang mit OlivenbaumDer Blick wird weit, Oli­ven­bäu­me geben Geleit, Vögel, manch­mal geht ein Hund ein Stück Weg mit. Es ist als wür­de die­ser Ort uns still und demü­tig begrü­ßen, ein­la­den zum Gebet.
Wie damals Fran­zis­kus dort vor dem Kreuz gebe­tet hat und die Schwes­tern mit Kla­ra es täg­lich getan haben. Es ist ein ande­rer Lobpreis.
Der Mensch wird still, die Schöp­fung lobt und preist Gott mit aller Schlicht­heit, Pracht und Herr­lich­keit. So ist auch der Emp­fang in der Kir­che San Damiano.
Her­aus aus der Welt, aus dem Jetzt, ein­tau­chen in SEINE Zeit und die Zeit der Hl. Klara.
Am Altar gehen wir hin­durch zum Coret­to, dem frü­he­ren Chor der Schwestern.
Ergrif­fen ste­hen wir da, sehen das alte Chor­ge­stühl, den Altar, schlie­ßen die Augen … und tau­chen ein in das Gebet, das Jesus uns gege­ben hat, heu­te von Br. Ste­fan geschrieben …
Von drau­ßen, aus dem angren­zen­den Gar­ten, dem Ort an dem Fran­zis­kus den Son­nen­ge­sang geschrie­ben hat, glaubt man IHN zu hören:

Höchs­ter, herr­li­cher Gott, erleuch­te die Fins­ter­nis mei­nes Herzens.“

So geh Dei­nen Weg im Licht des Herrn, aus dem Coret­to in San Dami­a­no, hin­aus in die Welt.

Dazu sei gesegnet:

Der Herr seg­ne dich und behü­te dich.
Er zei­ge dir sein Angesicht
und erbar­me sich deiner.
Er wen­de dir sein Ant­litz zu
und schen­ke dir Frieden.
Der Herr segne,
Bru­der, Schwes­ter,
T, dich.

Bru­der Wolf­gang Novak, CFPB

Kalenderblatt — September 2015

Kalenderblatt_September_2015

Vico­lo San­to Stefano


Die Piaz­za del Comu­ne ist der gesell­schaft­li­che, poli­ti­sche Mit­tel­punkt der Stadt Assisi.

Es gibt his­to­ri­sche Gebäu­de aller Epo­chen, Sehens­wer­tes aus der Römer­zeit, der Zeit von Fran­ces­co und Chiara …

Hier trifft man sich, hier ver­weilt man zu jeder Tages­zeit, liest Zei­tung, trinkt caf­fè, ist im Gespräch oder sieht die vor­bei­zie­hen­den Men­gen von Tou­ris­ten, Pil­gern, Bür­ger der der Stadt.

Wei­ter geht es Rich­tung San Fran­ces­co. Die Via San Pao­lo ist eine Möglichkeit.

Nach einem kur­zen Stück gibt es eine klei­ne Trep­pe nach unten, unschein­bar, leicht zu übersehen.

Die Vic­co­lo San­to Ste­fa­no führt aus dem Tru­bel der Stadt hin zu der klei­nen Kir­che San­to Stefano.

Hier ist es still, die Mau­er um die Kir­che lädt zur Rast ein, der Blick von hier geht in die Wei­te hin­über zur Portiunkula.

Ein Ort an dem Fran­ces­co sicher auch ver­weil­te auf dem Weg zum Gebet in San­to Stefano.

Hier in der Stil­le spürt man Dank­bar­keit auf Got­tes Schöp­fung, das „Klei­ne“ die­ses Ortes lädt ein zum Lob­ge­sang auf den Schöpfer.

Ich erin­ne­re mich an einen sol­chen Moment im Blick auf die unter­ge­hen­de Son­ne … ein Moment des Frie­dens … pace e bene.

Bru­der Wolfgang


Du bist das Gute, jeg­li­ches Gut, das höchs­te Gut, der Herr, der leben­di­ge und wah­re Gott.” (vgl. 1 Thess 1,9)

Fran­zis­kus im Lob­preis auf Gott

Kalenderblatt — August 2015

Kalenderblatt_August_2015

San­ta Chiara


An der Stel­le der heu­ti­gen Basi­li­ka stand einst die Kir­che San Gior­gio, seit 1111 bezeugt mit ange­schlos­se­nem Spi­tal und einer, den Kano­ni­kern unter­stell­ten, Schule.

Fran­zis­kus soll hier lesen gelernt und sei­ne ers­te Pre­digt gehal­ten haben.

Nach sei­nem Tod am 3. Okto­ber 1226 wur­de der Leich­nam des Hei­li­gen zunächst nach San Dami­a­no getra­gen, um der Hl. Kla­ra einen letz­ten Abschied von ihm zu ermög­li­chen. Dar­auf­hin über­führ­te man ihn in die Kir­che San Gior­gio, in deren Kryp­ta er vier Jah­re lang ruhte.

Am 16. Juli 1228 fand in der­sel­ben Kir­che die fei­er­li­che Hei­lig­spre­chung statt. Am 25. Mai 1230 wur­de sein Leich­nam in die Unter­kir­che von San Fran­ces­co übertragen.

Auch der Leich­nam der Hl. Kla­ra wur­de, nach­dem sie am 11. August 1253 in San Dami­a­no ver­stor­ben war, vor­über­ge­hend in San Gior­gio bestat­tet. 1257 tausch­ten die Kla­ris­sen San Dami­a­no mit der Kir­che San Gior­gio, und began­nen mit dem Bau einer monu­men­ta­len Kir­che zu Ehren Kla­ras, die 1255 hei­lig­ge­spro­chen wor­den war.

Am 3. Okto­ber 1260 konn­te der Leich­nam unter dem Hoch­al­tar des neu­en Chor­rau­mes bei­gesetzt wer­den. 1265 wur­den die Kir­che und der Hoch­al­tar von Papst Kle­mens IV. geweiht.

In der Kir­che ist im Ora­to­ri­um des Kru­zi­fi­xes das Ori­gi­nal­kreuz von San Dami­a­no zu sehen.

In der Kryp­ta ruht der Kör­per der Hl. Kla­ra, der am 23. Sep­tem­ber 1851 unter dem Haupt­al­tar voll­stän­dig erhal­ten auf­ge­fun­den wurde.

Im lin­ken Quer Arm der Kir­che ist die berühm­te Iko­ne des „Maes­tro del­la S. Chia­ra (1283) zu sehen, auf der Sze­nen aus dem Leben der Hl. Kla­ra fest­ge­hal­ten sind.

Sind wir in Assi­si begin­nen unse­re Tage oft mor­gens um 6h in San­ta Chia­ra, vor dem Kreuz. Ein geseg­ne­ter Start in den Tag, oft allein oder im Gebet mit den Schwes­tern, bevor Assi­si erwacht.

(Quel­le: Spu­ren­su­che – Sr. Chris­ti­na Mül­l­ing, Diet­rich-Coel­de-Ver­lag), ergänzt von Bru­der Wolfgang.


„Wei­nend sag­te Fran­zis­kus eines Tages zum Herrn:
Ich lie­be die Son­ne und die Sterne.
Ich lie­be Kla­ra und ihre Schwestern.
Ich lie­be das Herz der Men­schen und alle schö­nen Dinge.
Herr, du musst mir ver­zei­hen, denn nur dich soll­te ich lieben.

Mein Fran­zis­kus, du musst nicht trau­rig sein, denn das alles lie­be auch ich.“

Umbri­sches Volkslied

Kalenderblatt — Juli 2015

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San Ste­fa­no


San­to Ste­fa­no, seit 1166 beur­kun­det, war lan­ge Pfarr­kir­che, so auch Gebets­ort von Franziskus.
Heu­te ist die­se klei­ne Kir­che, mit­ten in Assi­si und doch fern­ab von jedem Tru­bel, eine Oase der Ruhe inmit­ten der Stadt.

San­to Ste­fa­no lädt zum Gebet und zur Medi­ta­ti­on ein. Mein Weg auf den Spu­ren des Hei­li­gen Fran­zis­kus begann vor lan­ger Zeit hier. Von hier aus durf­te ich „sei­nen“ Fuß­spu­ren fol­gen. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass nach Mög­lich­keit der ers­te Weg nach San­to Ste­fa­no geht und ich auch hier Abschied neh­me, ist der Ort mir so sehr ans Herz gewachsen.

Als Fran­zis­kus in San­ta Maria degli Ange­li gestor­ben war, sagt man, haben die Glo­cken von San­to Ste­fa­no geläu­tet, von ganz allein haben sie den Tran­si­tus, den Hin­über­gang des „Vaters Fran­zis­kus“ ins neue Leben verkündet.

So kann man an die­sem Ort immer wie­der die­sen Moment spü­ren, der tota­len Stil­le vor dem gro­ßen Moment.

Ich durf­te das erle­ben. Eines Tages soll­te ich für die Gemein­de in Deutsch­land mei­ne ers­te Oster­pre­digt vor­be­rei­ten. Ach ja, kein Pro­blem, in Assi­si müss­te das gut gelingen.

Die Wochen in Assi­si ver­gin­gen und am letz­ten Tag hat­te ich immer noch kei­ne Predigt.
Ein wenig trau­rig bin ich nach San­to Ste­fa­no gegan­gen, mich zu ver­ab­schie­den. Für einen Moment war ich allein, blick­te über die Kir­che hin­un­ter ins Tal, am Turm vor­bei und es war still, als wür­de die Zeit ste­hen blei­ben, so still, dass ich die Augen schloss und hören konn­te, wie die ers­te Knos­pe am Baum auf­ge­sprun­gen ist …

Neu­es Leben war zu sehen, am Baum, am Baum des Lebens. Was schon in ihm war brach nun her­aus, das Leben leb­te neu auf … neu­es Leben, uns geschenkt durch Jesus, Jesus am Kreuz … so gin­gen dann mei­ne Gedan­ken zu Ostern.

Lau­da­te et bene­di­ce­te mi‘ signore,
et ren­gra­tia­te et ser­vi­ate­li cum gran­de humilitate.

Lobt und preist mei­nen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit gro­ßer Demut.

Bru­der Wolfgang


Inmit­ten von ticken­den Uhren, die um die Wet­te lau­fen, hal­te ich mich im Gebet an und fin­de stau­nend die Zeit, die ich ver­lo­ren habe.“

Wolf­gang Abendschön

Kalenderblatt — Juni 2015

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San­ta Mar­ghe­ri­ta, eine klei­ne Pfarr­kir­che unweit von San Francesco.


Wer ein wenig Ruhe sucht kann sie auf einer klei­nen Ter­ras­se gegen­über der gro­ßen Basi­li­ka fin­den. Ein Baum und eine Bank, mit Blick direkt hin­über nach San Fran­ces­co, laden ein zu einem wun­der­ba­ren Aus­blick auf die umlie­gen­den Hügel und hin­un­ter ins Tal nach San­ta Maria degli Angeli.

Ein schö­ner Platz den Son­nen­un­ter­gang wahr­lich zu genie­ßen: eine ver­steck­te Ecke voll ein­fa­cher Schön­heit, ein Platz nur für Dich, für die­sen Moment …

Oder mit den Wor­ten von Fran­zis­kus von Assi­si gesagt:
„Gott ist die Freu­de. Des­halb hat er die Son­ne vor sein Haus gestellt!“

Kalenderblatt — Mai 2015

Kalenderblatt_Mai_2015

San Fran­ces­co


San Fran­ces­co. Am 29. März 1228 schenk­te ein Bür­ger von Assi­si im Namen und Auf­trag des Paps­tes Gre­gor IX. dem Bru­der Eli­as ein Gelän­de, das sich vor den Stadt­to­ren Assis­is, auf dem Col­le Dell ‘Infer­no befand, wo die Todes­stra­fe voll­zo­gen wurde.

Der Papst befahl dar­auf eine Kir­che zu errich­ten, die gleich­zei­tig als Grab­stät­te des Hl- Fran­zis­kus und als „Haupt und Mut­ter“ des Mino­ri­ten Ordens die­nen sollte.

Bru­der Eli­as wur­de mit dem Bau der Kir­che beauftragt.

Bereits am 25. Mai 1230 konn­te der Leich­nam des Hei­li­gen in einer Grab­kam­mer bei­gesetzt wer­den, die dafür unter dem Hoch­al­tar der Unter­kir­che vor­be­rei­tet wor­den war. Nach der Über­füh­rung des Hei­li­gen wur­de der „Höl­len­hü­gel“ in den „Para­dies­hü­gel“ umgetauft.

Gleich­zei­tig mit dem Bau der Kir­che ver­an­lass­te Papst Gre­gor IX. die Errich­tung eines Kon­ven­tes und eines Papst­pa­las­tes. Die­se Gebäu­de im Wes­ten der Kir­che ver­lei­hen dem Bau einen fes­tungs­ähn­li­chen Charakter.

1236 war auch die Ober­kir­che fer­tig­ge­stellt, und 1239 konn­ten die Glo­cken in den voll­ende­ten Turm auf­ge­zo­gen wer­den. 1253 weih­te der Papst bei­de Kir­chen ein.

Unter­kir­che

Fran­zis­kus war den Men­schen sei­ner Zeit das Spie­gel­bild der Hei­lig­keit des Herrn. Von die­sem Hin­ter­grund her muss man die Basi­li­ka der Unter­kir­che sehen. Das Grab des Hl. Fran­zis­kus ist in sei­nem archi­tek­to­ni­schen Auf­bau nach dem „Urbild“ der Gra­bes­kir­che in Jeru­sa­lem kon­zi­piert wor­den. Bei­de lie­gen zum Bei­spiel im Wes­ten, außer­halb der Stadt auf einem ehe­ma­li­gen Hin­rich­tungs­platz. Bei bei­den Grä­bern han­delt es sich um ein trog för­mi­ges Fel­sen­grab. (G. Ruf).

Der Innen­raum besaß ursprüng­lich einen tau­för­mi­gen Grund­riss. Vor Been­di­gung der Ober­kir­che wur­de die Kir­che jedoch erwei­tert und am Ende des 13. Jahr­hun­derts erfolg­te die Öff­nung der Kapel­len längs der Sei­ten­wän­de des Langhauses.

Die Kryp­ta wur­de nach der Ent­de­ckung des Gra­bes des Hl. Fran­zis­kus am 12 Dezem­ber 1818 zuerst im neu­klas­si­zis­ti­schen Stil geschaf­fen. 1925–1932 wur­de sie im neu­ro­ma­ni­schen Stil restauriert.

Ober­kir­che

Die Ober­kir­che war von Anfang an als der offi­zi­el­le Kir­chen­raum kon­zi­piert, deren Bischof der Papst per­sön­lich ist.

Die Unter­kir­che ist in die­ser Anla­ge nur die Krypta.

Die Ober­kir­che gehört zu den ältes­ten goti­schen Kir­chen Ita­li­ens. Die Aus­ma­lung der Kir­che begann Ende des 13. Jahrhunderts.

Quel­le „Spu­ren­su­che“ Dietrich-Coelde-Verlag


 

Du unse­re Hoff­nung und unse­re Freu­de, du Gerech­tig­keit, du Maß, du all unser Reich­tum, mehr als wir brauchen.“

Fran­zis­kus von Assisi

Die Aktualität Dietrich Bonhoeffers

Heu­te in dank­ba­rer Erin­ne­rung an Diet­rich Bonhoeffer.
Am 9. April 1945 hingerichtet …

Diet­rich Bon­hoef­fer, ein jun­ger Pfar­rer, Sym­bol des deut­schen Wider­stands gegen die Nazis, zählt zu den Men­schen, die uns auf dem Glau­bens­weg Stüt­ze sein kön­nen. Er hat in den dun­kels­ten Stun­den des 20. Jahr­hun­derts sein Leben bis zum Mar­ty­ri­um gege­ben und im Gefäng­nis Wor­te nie­der­ge­schrie­ben, die man in Tai­zé immer wie­der singt:

Gott, lass mei­ne Gedan­ken sich sam­meln zu dir.
Bei dir ist das Licht, du ver­gisst mich nicht.
Bei dir ist Hil­fe, bei dir ist Geduld.
Ich ver­ste­he dei­ne Wege nicht, doch du weißt den Weg für mich.“

Aus sei­nen berühm­ten Brie­fen aus dem Gefäng­nis, „Wider­stand und Erge­bung“ hören wir… In einer Welt, in der er wahr­nimmt, dass Gott nicht mehr erkannt wird, in einer Welt ohne Gott, stellt sich Bon­hoef­fer die Fra­ge: Wie kön­nen wir von ihm sprechen?

Wer­den wir ver­su­chen, Berei­che christ­li­cher Kul­tur zu schaf­fen, in denen wir mit einer gewis­sen Nost­al­gie in die Ver­gan­gen­heit ein­tau­chen? Wer­den wir ver­su­chen, reli­giö­se Bedürf­nis­se bei Men­schen zu wecken, die anschei­nend kei­ne mehr haben?

Heu­te kann man sagen, dass das reli­giö­se Inter­es­se wie­der zunimmt, aber oft geht es nur dar­um, dem Leben einen reli­giö­sen Anstrich zu geben. Es wäre falsch, unse­rer­seits aus­drück­lich Ver­hält­nis­se zu schaf­fen, in denen die Men­schen Gott brauchten.

Wie kön­nen wir also heu­te von Chris­tus sprechen?
Bon­hoef­fer ant­wor­tet: Durch unser Leben.

Es ist beein­dru­ckend, wie er sei­nem Nef­fen die Zukunft beschreibt:

Die frü­he­ren Wor­te müs­sen kraft­los wer­den und ver­stum­men (…), aber der Tag wird kom­men, an dem wie­der Men­schen beru­fen wer­den, das Wort Got­tes so aus­zu­spre­chen, dass sich die Welt dar­un­ter ver­än­dert (…). Es wird eine neue Spra­che sein (…). Bis dahin wird die Sache der Chris­ten eine stil­le und ver­bor­ge­ne sein; aber es wird Men­schen geben, die beten und das Gerech­te tun und auf Got­tes Zeit warten.“

Im Gefäng­nis hät­te Bon­hoef­fer ger­ne einen Kom­men­tar des 119. Psalms geschrie­ben, er kam jedoch nur bis zur drit­ten Stro­phe. Ein Vers in die­sem Psalm fasst tref­fend zusam­men, wor­aus Bon­hoef­fer gelebt hat:

Du bist nahe, Herr, alles, was du befiehlst, ist Wahrheit.“

Diet­rich Bon­hoef­fer hat in der Gewiss­heit gelebt, dass Chris­tus wirk­lich nahe ist, in allen Lebens­la­gen, selbst in den extremsten.

Du bist nahe, Herr, alles, was du befiehlst, ist Wahrheit.“

Wir kön­nen glau­ben, dass das, was du befiehlst, nicht nur wahr, son­dern unse­res gan­zen Ver­trau­ens wür­dig ist.

Kalenderblatt — April 2015

Kalenderblatt_April_2015

San Dami­a­no


San Dami­a­no ist ein altes Bene­dik­ti­ner Prio­rat, das seit 1030 urkund­lich erwähnt ist. Hier erhielt 1205 Fran­zis­kus vom Kreuz her den Auf­trag, die zer­fal­le­ne Kir­che wie­der aufzubauen.

Lei­der ist das Aus­maß, der von dem Hei­li­gen durch­ge­führ­ten Restau­rie­rungs­ar­bei­ten nicht messbar.

Die ursprüng­li­che Kir­che hat­te ein ein­zi­ges Schiff mit Ora­to­ri­ums Kryp­ta und erhöh­tem Presbyterium.

Das Gebäu­de wur­de viel­leicht erst nach der Ankunft der Hl. Kla­ra 1212 ent­schei­dend ver­än­dert, als die Kryp­ta geschlos­sen und ein Dor­mi­t­ori­um über dem Lang­haus ein­ge­rich­tet wurde.

Der Hl. Fran­zis­kus war hier wäh­rend eines lan­gen Lei­dens mehr­mals zu Gast.

Im Win­ter 1224/1225 ver­fass­te er hier den Sonnengesang.

Die Hl. Kla­ra leb­te hier mit ihrer Schwes­tern­ge­mein­schaft bis zu ihrem Tod am 11. August 1253.

Die blü­hen­de Gemein­schaft wuchs stän­dig und grün­de­te wei­te­re Frau­en­klös­ter. Unter ande­rem stand die Hl. Kla­ra in einem inten­si­ven Brief­kon­takt mit der Hl. Agnes von Prag.

1240 soll sie mit einer Mons­tranz in den Hän­den die Sara­ze­nen Grup­pen Kai­ser Fried­rich II., die die Stadt stür­men woll­ten, in die Flucht geschla­gen haben.

Nach dem Tod der Hl. Kla­ra und ihre Bestat­tung in der Kir­che San Gior­gio gaben die Kla­ris­sen San Dami­a­no, im Tausch gegen San Gior­gio, ab.

Quel­le „Spu­ren­su­che“ Dietrich-Coelde-Verlag


Tu erst das Not­wen­di­ge, dann das Mög­li­che, und plötz­lich schaffst du das Unmögliche!“

Fran­zis­kus von Assisi